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Berührung suchende Wörter

Obschon Deutsch meine Muttersprache ist, war ich immer schon bei ihr zu Gast. Zu Hause bin ich im Hebräischen. Ich bin kein Deutscher und werde es nie sein. Ich bin ein Hebräer. Ich schreibe auf Hebräisch und übersetze mich. Den Titel "Berührung suchende Wörter" habe ich aus dem Hebräischen ("milim hamenassot lagaat") übersetzt. Das Deutsche und das Hebräische haben ein herrliches Kind geboren, dem ich gerne zuhöre, aber ich kann nicht in seiner Sprache sprechen: das Jiddisch. Für mich sind Deutsch und Hebräisch zwei Welten, die weit auseinanderliegen, und ich lebe in dieser Spagatbewegung, die sehr anstrengend ist, mir aber auch viel Genuss bereitet.

Kürzlich übersetzte ich ein Kapitel, in dem die Autorin sich versucht zu erinnern, was sie an der Olympiade in München 1972 erlebt hat, an der sie teilgenommen hat. Die deutsche Sprache unterscheidet zwischen Gedächtnis und Erinnerung. Im Hebräischen gibt es zwar auch zwei Wörter dafür, aber sie werden aus demselben Wortstamm gebildet, und viele Hebräer sagen Gedächtnis, wenn sie eigentlich Erinnerung meinen. Im Deutschen ist die Erinnerung ein In-sich-gehen, im Hebräischen ist es etwas Passives, etwas, das über dich kommt oder zu dir kommt. Im Deutschen erinnere ich jemanden an etwas, im Hebräischen ist derjenige, den ich an etwas erinnere, intransitiv, und das Etwas ist das Transitive, die Sache, an die erinnert wird, ist im Hebräischen im Mittelpunkt, und nicht wer daran erinnert wird.

Das Sein bestimmt das Bewusstsein, aber im Hebräischen gibt es für das Bewusstsein drei verschiedene Wörter. Die These und die Antithese werden in der Synthese aufgehoben, aber das Wort aufheben hat vielerlei Bedeutungen, was diesen Hegelschen Grundsatz so deutsch und eigentlich unübersetzbar macht.

Im Hebräischen schüttet das Herz Blut aus vor lauter Trauer. Im Hebräischen sehe ich etwas mit einem schönen Auge, wenn ich damit einverstanden bin. Wenn ich mich für etwas interessiere oder einsetze, dann lege ich im Hebräischen mein Herz hinein. Wenn mir jemand zu nahetritt, dann dringt er in meine Adern ein. Wenn ich mir zu viel vornehme, springe ich über meinen Bauchnabel. Wenn ich glaube, dass etwas frei erfunden ist, dann sage ich, er habe es sich aus dem Daumen gelutscht. Wenn ich mich gegen andere durchsetzen muss, gebrauche ich meine Ellbogen. Die hebräische Bibel befiehlt dir, deine Zunge mit einem Schloss abzuriegeln, bevor du schlecht über jemand sprichst. Und wenn du trotzdem so etwas tust, hast du sein Gesicht weiß gemalt, und zur Strafe wirst du in die Hölle kommen.

Es gibt Dinge, die man nicht auf einem Bein erklären kann. Aber als der alte Hillel gefragt wurde, was die Torah auf einem Bein sei, sagte er: "Was dir verhasst ist, das sollst du deinem Nächsten nicht antun. Alles andere ist Erweiterung dieses Grundsatzes." (Im Christentum wurde das zu: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!)

Nachdem die Nazis die deutsche Sprache geschändet und versklavt haben, ist es schwieriger, aber auch wichtiger denn je, ein Verständnis zwischen dem Hebräischen und dem Deutschen zu erreichen. Ich gebe mir alle Mühe!

                                                                                                             

  Uri Shani, August 2020

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