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Donnerstag, 14. Februar

[…]

Ich konnte also wieder kaum wach werden heute früh und ärgerte mich darüber, während Esthi, krank und mit geschwollenen Augen, im Nu die letzten Korrekturen an ihrem Manuskript anbrachte und ins Büro ging, um den Text nach Europa durchzufaxen. Dann legte sie sich ins Bett, und Itzig kam und brachte den Walkman zurück, den ich Doron vor Jahren geschenkt habe und der mir jetzt bei diesen Notizen äußerst dienlich sein kann. [Meine Mutter hat sich jahrelang aufgenommen, um sich dann abzuschreiben. Nach ihrem Tod habe ich Dutzende von Stunden, Hunderte von Stunden, digitalisiert, und ich dachte, ich gebe hier ein kitzekleines Beispiel. Es ist aus den Kassetten der Träume vom Winter 1987-1988, die sie diktierte, also drei Jahre vor diesem Tagebuch, nur eine kurze Minute davon: offene_fenster_im_winter.mp3] Wieder schaffte ich es nicht, Tee zu kochen, bevor es sich selber einen braute, und ich ärgerte mich noch mehr über mich selbst. Ich bin alt, über sechzig, und kann es mir nicht leisten, Fehler zu machen. Ich muß so etwas wie weise sein, den Jungen ein Vorbild, sonst bin ich nur alt, zu alt. Ich bin hierher gekommen, um meinen Kindern zu helfen, nicht ihnen zur Last zu fallen. Zuerst der Lapsus mit der Toilette in Savion, und nun benehme ich mich wie das ungeschickte kleine Entlein, das ich in meiner Schulzeit immer war.

 

Wie schön, daß ich all das mit Esthi besprechen kann, so wie sie mir erzählt, daß sie als "zu tüchtig" in der Klasse galt und dazu noch als Ausländerkind war. Mit Miki kann ich nicht so offen über mich sprechen.

[…] Jetzt sitze ich, nachdem ich die Zeitung geholt und Einkäufe gemacht habe, um Esthi etwas Gutes zu kochen, mit einem Falafel auf einem Abfallkübel auf dem Disengoffplatz, wo ich ungestört ins Band reden kann. […] Vorhin, als ich Kassetten kaufte und beim Bezahlen war, schoß eine Frau auf den Ver­käufer zu und schrie ohne Punkt und Komma, er müsse sie sofort drannehmen, bevor er mir das Geld herausgebe; ich schrie sie an, sie solle aufhören, und sie schrie zurück, nein, sie dürfe schreien so viel sie wolle. Solche Situationen sind in der Schweiz nicht denkbar, aber ich ärgerte mich noch einmal über mich selbst, weil ich wegen der dummen Kuh Herzklopfen bekam.

 

Ich spreche entschieden zu viel deutsch; schweizerdeutsch mit Esthi und Uri, und jetzt auch noch deutsch ins Tonband.

 

Donnerstag Abend, Viertel vor sechs
Ich genieße die kurze, aber eindrucksvolle Dämmerung auf der Veranda. Zum ersten Mal, seit ich hier bin, an diesem Valentinstag, nehme ich mir zeit, einfach dazusitzen und die Stimmung auf mich wirken zu lassen. […]

Ich muß heute noch den Hamlet lesen vor der Aufführung morgen.

Es klingelt zweimal: Überraschung: Doron hat den Abend frei bekommen. Ich koche mit großen Eifer das Nachtessen und werde von meine Jungen sehr gelobt; […]

 

 

 

MUTTER ZWISCHEN DEN FRONTEN

 

Ja, also wie ich schon dreißigmal hier schrieb: Ich konnte nicht anders und habe Wolf Biermann auf seinen Artikel in der Zeit geantwortet:

https://abumidian.wordpress.com/deutsch/biermann

Tja, die Schweizer sind nicht so fortschrittlich wie die Aegypter, sie wollen keinen Schutz vor Waffengewalt….

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