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Ge­sich­ter von Re­li­gion und Macht – In­sze­nie­run­gen in Is­rael

Als ich geboren wurde, im April 1966, wusste noch niemand, welch schreckliche Katastrophe kaum ein Jahr später, im Juni 1967, über den Nahen Osten kommen würde. Für die Araber war die Niederlage, innert sechs Tagen, erniedrigend wie kaum etwas zuvor. Aber für die meisten Israelis war es ein Wunder, und ein Wunder kommt von Gottes Hand. Die Eroberung von Gebieten, die zu den wichtigsten Stätten des Judentums gehören – die Klagemauer, Hebron, Abrahams Stadt, Bet-El, Nablus (in der Bibel: Sichem) gab dem religiösen Schub zusätzliche Wucht. Einer der heftigsten Schwarzseher war selber ein religiöser Mann, der Chemieprofessor Jeschajahu Leibowitz. Er warnte vor dem Unglück, das über den Staat einbrechen würde, wenn dieser die besetzten Gebiete nicht sofort verlassen würde. Ich kann mich gut an Leibowitsch erinnern, wie er mit seinen neunzig Jahren auf der Bühne stand und für seinen Humanismus gelobt wurde, und er vor Wut rot anlief und schrie: Ich bin kein Humanist! Gott steht im Zentrum, nicht der Mensch!

Ich hingegen bin Humanist, ich bin auf Wolf Biermanns Knien aufgewachsen, und heute noch – nachdem dieser wahrscheinlich die Melodie schon vergessen hat – singe ich inbrünstig: „Und meine ungläubigen Lippen beten voller Inbrunst zum Mensch, dem Gott all meiner Gläubigkeit.” (im „Gesang für meine Genossen“) Als Theaterregisseur bin ich in der Tradition aufgewachsen, dass das hebräische Theater unsere säkulare Synagoge sei. Das erste grosse Theater, das später – und bis heute – zum israelischen Staatstheater wurde, heisst “Habima”. Habima ist die Erhöhung in der Synagoge, wo ganz hinten der Thoraschrank steht, und das Publikum richtet im Gebet seinen Körper und seine Aufmerksamkeit ständig auf diese Bühne. Das hebräische Theater war von Anfang an Teil der zionistischen Bewegung und hat diese gestärkt. Und die zionistische Bewegung war zu ihrem allergrössten Teil nicht nur nicht religiös, sondern extrem anti-religiös. Das Stück von “Habima”, das dieses Theater weltberühmt machte, weil es zu einem der wichtigsten Beispiele von expressionistischem Theater wurde, und 1922 zum ersten Mal aufgeführt wurde und dann mehr als dreissig Jahre nicht mehr abgesetzt wurde, war “Der Dibbuk”. Es geht um die junge Leah, die vom toten Chanan besessen ist. Wenn sie spricht, ertönt seine Stimme, nicht die ihre. In dieser Inszenierung wird die primitive, religiöse Gesellschaft des Shtetls lächerlich gemacht.

Dies ist der Beginn eines Artikel, der in "Neue Wege" im Jahr 2013 erschienen ist.

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