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Sonntag, 27. Januar

[…eine seitenlange Beschreibung von Hildes Bemühungen, ihr Flugticket in Tel Aviv zu verlängern…hier nur zwei kitzekleine Ausschnitte…]

Mein Chauffeur spricht einen sehr schnellen Slang, bei dem ich kaum nachkomme, besonders weil sich seine Rede hauptsächlich um Lokalpolitisches dreht, immerhin, soviel ist klar: die Arikim, die Stadt-Deserteure, sind eine Bande von feigen Kerlen, Tschitsch hat das schon gesagt, Tschitsch geht viel zu sanft mit ihnen um, undsoweiter. Ich sage lieber nichts. Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, aber hauptsächlich davon, und ein Taxichauffeur in einer menschenleeren Stadt ist aufgeschmissen.

[…]

Bei der nächsten Türoffnung drängen die beiden Boxer durch und ziehen einen Schweif von dicken Alten nach sich, die Tür will sich mir vor der Nase wieder schließen; ich passiere nur, indem ich selbst meine Ellbogen benutze und mich als Zweiundsechzigjährige fluchend und strampelnd packenden Männerhänden entwinde.

[… die gute Hilde schafft es schlussendlich natürlich nicht, das Ticket zu verlängern, "wie man mir in Zürich zugesichert hatte"….]

Auf dem Rückweg kommt mir mein bärtiger Jüngster entgegen, strahlend bis zu beiden Ohren. "Schön, sich einfach so auf der Strasse zu treffen!" Wir umarmen uns. Ein Sohneskuss mit ihm ist immer so sanft. Wirklich schön. Wie meine Londoner Freundin Kate sagt: Es gibt zwei glückliche Momente, beim Kommen, und beim Gehen. Wenigstens das erste stimmt, aber das Abschiednehmen ist jetzt nie schön.

Zu Hause gibt es eine gemütliche Käsekuchen-Kaffeestunde zu dritt, dann stellen die beiden ihr Mobiliar um: im verstopften (Schlaf-)Zimmer wird das Bett von der Außenwand weg an die Mittelwand gerückt, der schwere Schrank vor das verstopfte Fenster, und dann montiert Uri den Computer von der Außenwand im Schreibzimmer ab und stellt ihn im Wohnzimmer neben die Tür.

[…]

Die tiefe Finsternis zu einer Tageszeit, die noch als Nachmittag erlebt wird, ist schwer durchzustehen. Noch lange werde ich mir nicht bewusst machen, dass sich auch eine Zigeunernatur wie ich nicht dauernd in fremden Heimen wohlfühlen kann. Ein kleines Gemäkel gibt es auch, wie ich sage: "Jetzt muß ich aber unbedingt Doron noch vor dem Essen anrufen, sonst wird es zu spät!" – denn vorher konnte ich nicht, Edith hatte ein dreiviertelstündiges Gespräch mit einer Freundin. Edith erschrickt und empfindet meinen Satz als Vorwurf; ich hätte sie bitten sollen, das Gespräch abzubrechen. Das wäre mir im Traum nicht eingefallen. Offensichtlich war die andere Sprecherin die langfädigere, solche Dinge passieren; ich wollte wirklich nichts als vor dem Essen Doron anrufen. Ach, Edith, es wird höchste Zeit, dass wir die Unsicherheit einander gegenüber verlieren. Wenn wir nur Gelegenheit hätten, darüber zu sprechen. Jetzt sind wir alle müde. Uri hat Kopfschmerzen. Die Nacht ist unruhig, zum ersten Mal schlafe ich nicht wie ein Stein, obschon kein Alarm uns weckt.

MUTTER ZWISCHEN DEN FRONTEN

Ich habe übrigens während dieses Krieges an Wolf Biermann einen Brief geschrieben:

https://abumidian.wordpress.com/deutsch/biermann

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