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Freitag, 8. Februar

Das Bemerkenswerteste am heutigen Tag – außer im Badezimmer von Mikis Söhnen mein erstes Bad seit meiner Ankunft in Israel ausgiebig genossen zu haben – daß ich meine Maske nun doch zu Hause vergessen hatte. Erst in der Zentral-Busstation fiel es mir auf. Miki war mit mir zusammen weggegangen und hatte die Alarmanlage eingeschaltet – diese Einrichtung macht mir grässlich angst: das fehlte noch, daß mitten im Krieg der Hausalarm bei uns los geht, weil ich nicht schnell genug draußen bin. Alsowar ich losgerannt und hatte die Maske in der Eßecke stehen lassen.

 

Nach Savion zurückfahren konnte ich nicht, denn ich hatte Esthi eine Flasche Wein zum Mittagessen versprochen, außerdem  hätte ich sogar mit dem Schlüssel nicht ins Haus gelangen können, denn ich weiß mit der Alarmanlage nicht umzugehen. Auf Nadeln saß ich im Vierer, der fünf Minuten brauchte, um aus dem Zentralbahnhof herauszukommen, und vollends packte mich die Panik, als ich in der Weinhandlung in der Ben Yehuda Miki anrief und sie noch nicht wieder zurück war. Was, wenn ich die Maske doch nicht bei ihr vergessen habe, sondern an der Bushaltestelle oder im Überlandbus?  – Dann müßte ich in ein Hotel umziehen und vom Hotel eine Maske zugeteilt bekommen, denn übers Wochenende ist die Botschaft geschlossen und das Fundbüro auch.

 

Von Esthi aus erreichte ich Miki. Sie lachte mich aus. Ja, die Maske sei da, in der Eßecke, aber untertags würde ich sie nicht brauchen. – Itzig, der eben gekommen war, sagte, er habe seine auch in Rechowot vergessen und müsse sie holen und bot mir an, auf der selben Fahrt auch meine aus Savion zu holen. Er kam erst nach zwei Stunden wieder, als wir längst gegessen hatten, und stürzte mich damit in schwere Gewissenskonflikte und sagte hernach, er habe seine nur geholt aus Rücksicht auf die Gruppe; er selbst glaube nicht daran, daß er sie bräuchte.

 

Welch eine Mischung von charmanter Unterhaltsamkeit und Naivität in diesem Burschen steckt! Eine ganze Weile blieb ich ins Gespräch mit ihm verstrickt; über die verschiedenen Ausdrucksformen in der Kunst des Dramas kam er auf ein Theaterstück, das in Tel Aviv großen Erfolg habe und von der Vergewaltigung einer Tochter durch den Vater handle. Ist das nicht etwas weit hergesucht? [Oh, Hilde, du arme Naive…]

 

Mit Uri unterhielt ich mich an dieser Freitagmittagfeier lange auf dem Balkon in der Sonne. Er wollte alles darüber wissen, wie David und ich uns kennengelernt haben. Es wunderte mich und machte mir Freude. Ziemlich spät erschien auch Doron auf Wochenendurlaub, und bald darauf zogen wir los, denn wir hatten verabredet, Erew Schabat bei Miki zu feiern. An der La Guardia setzten wir Uri ab; ich schaute ihm lange nach. Vielleicht bin ich gerade heute zu sorglos gewesen? Vielleicht sehe ich meine beiden Söhne heute zum letzten Mal zusammen? – Warum muß ich immer, immer Angst haben?

 

[…]

 

Esthi hat heute gefragt: "Wie lange bleibst du eigentlich noch?"  – Jetzt kommt die Zeit, wo ich heimfahren sollte. Das Herumzigeunern, das David schon aufgefallen ist, geht auch mir jetzt auf die Nerven. Die eigentliche Pionierzeit ist vorbei. Und damit auch die impulsive heldenhafte Selbstdisziplin in Gefühlen und Gedanken. Dies gilt für mich selbst wie auch für die Bevölkerung: Die Tel-Aviver kommen aus Eilat zurück. Plötzlich heißt es: Die Leute waren verunsichert, weil niemand ihnen vertrauenserweckenden Schutz anbot. Beim "Blitz" in London, damals, da hatten die Leute klares Vertrauen zu ihrer Regierung. – Die Situation ist aber wohl doch so, daß die damaligen Luftschutzkeller vor den damaligen Bomben schützten, während es heute keine Keller, die den Raketen standhalten.

[…]

 

Es waren drei Einschläge zu hören, wahrscheinlich von Patriot-Antiraketen abgefangen, und ich habe große Mühe, Uri zu erreichen. In der Wohnung antwortet niemand, und bei Gottliebs ist die Linie besetzt. Endlich komme ich durch; Uri sitzt wohlbehalten bei seinen Schwiegereltern, in der La Guardia sind sie noch einmal davongekommen.

 

 

 

 

 

MUTTER ZWISCHEN DEN FRONTEN

 

 

 

Ich habe übrigens während dieses Krieges an Wolf Biermann einen Brief geschrieben:

https://abumidian.wordpress.com/deutsch/biermann

 

 

 

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