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Montag, 25. Februar, spätabends

Vor der Abfahrt mußte ich Mikis Alarmanlage anstellen und geriet völlig aus dem Häuschen, ich könnte etwas falsch machen und das Ding geht los. Vor allem war gut zu überlegen, alles, was mir gehört, zu Amram ins Auto zu packen und nichts zu vergessen, denn wenn ich den Schalter gedreht habe, muß ich aus dem Haus rennen und kann nicht wieder zurück.

Amram war ziemlich wortkarg und sehr müde. Er leitet im Dorf Sitria, in dem die Familie lebt, etwas, was man in der Schweiz "Zivilschutz" nennen würde – kurz, er ist der eigentliche Offizier der wirklichen Soldaten in diesem "komischen Krieg", und das gibt eine Menge Arbeit. Kaum sind wir daheim und ich Ruth um den Hals gefallen, steht er auch schon Telefon und ist in eine Reihe von Luftschutz-Beratungen verstrickt.

[…]

Die Amerikaner haben Fortschritte gemacht. Sie stehen fünfzig Kilometer vor Kuweit. Morgen ist Purim, und ich bin hier auf dem Dorf, statt in der Stadt das Fest zu erleben. Miki hat mir gestern das Kostüm gezeigt, in dem Siw an dem Fest teilnehmen wird. Zuerst wollte er sich in einen Wurm auf einem Pilz verkleiden und mobilisierte dazu einen alten gläsernen Lampenschirm. Aber dann nahm er sich nicht die Zeit dazu, etwas daraus zu machen, und Miki, die Grafikerin, fand, er sei zu alt, um sich von der Mama helfen zu lassen; am Ende erbarmte sie sich aber doch und richtete das Kostüm für ihn her, das sie vor Jahren für Shai genäht hatte: ein OB-Tambon, mit Schnürchen oben und in der Mitte einem kleinen roten Fleck. Israelis sind noch nie prüde gewesen.

Wenn nur nicht etwas das Fest stört.

[Ich kann mich einfach nicht beherrschen:

Das Purim-Fest ist eine Tradition, die vom Buch Esther kommt. An diesem Fest wird ein Massaker gefeiert, an dem 75.000 Perser niedergemetzelt wurden – nein, Entschuldigung: Es wird die Errettung des jüdischen Volkes gefeiert (übrigens die erste Stelle im Alten Testament, wo das Wort "Jude" auftritt, wohingegen kein einziges Mal Gott in diesem Buch zu finden ist), und vor lauter Freude über diese Errettung fand dieses Gemetzel statt. Interessanterweise gibt es keinerlei historische Belege für irgendwas, was auch nur im Weitesten den Geschehnissen ähneln würde, die im Buch beschrieben werden. D.h.: Das Buch wurde nicht geschrieben, um das Gemetzel zu entschuldigen oder zu erklären. Dieses 75.000fache Brandopfer wurde völlig freiwillig erfunden, um diese – ebenfalls erfundene – schöne Geschichte abzurunden. Nun würde ich all dies nicht schreiben, wenn Hilde dieses (wahrscheinlich letzte) Kapitel nicht Purim nennen würde, und wir nicht in einer Situation drin ständen, die mich einfach an all das erinnerte.

Die Zahl der irakischen Opfer dieses Krieges ist schwer zu ermitteln, aber es werden Zigtausende gewesen sein. 75.000? Vielleicht…]

MUTTER ZWISCHEN DEN FRONTEN

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