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Sonntag, 10. Februar

[…]

Nach unserer Rückkehr fanden wir im Büro einen Fax von Esthis Vater, der uns auf den Artikel von Wolf Biermann in der "Zeit" aufmerksam macht.

[große Klammer. Spätestens morgen wird klar, warum. Der Artikel mit dem Titel "Friedenshetze. Kriegshetze. Damit wir uns richtig mißverstehen: Ich bin für diesen Krieg am Golf" in der 'Zeit' ist ein Stück Zeitgeschichte. Immer wieder, zum letzten Mal vorgestern, – 8.2.2011 – einem neuen Freund, habe ich versucht zu erklären, was Biermann für mich bedeutet… Vielleicht so was wie der "Haschomer Hatza'ir"… vielleicht so was wie für andere in der Fünfzigern und Sechzigern der Genosse Stalin… na ja, das ist schon wieder übertrieben… ich liebe immer noch seine Kunst, z. B. die Kunst, Gegensätze schamlos zu kreieren und miteinander stehenzulassen, wie z. B. im Titel dieses Artikels. Das hat er natürlich von Brecht gelernt. Egal. Und natürlich ist der Artikel hohe Kunst in bester deutscher Demagogie! "Was Hitler seine Leute in jahre1anger blutiger Handarbeit üben ließ: die Ausrottung des jüdischen Volkes, das wird Saddam Hussein jetzt auf einen Streich mit einem Knopfdruck versuchen." usw.  An Goebbels' "Wollt ihr den totalen Krieg"-Rede im Berliner Sportpalast erinnert Biermann, um unmittelbar anzuschließen: "Wer mich aber heute fragt: 'Willst du den totalen Frieden?' Dem sage ich: Nein Danke."

Nicht umsonst hat er Goebbels zitiert…]

Esthi schickte mich die Zeitung kaufen, was nicht so einfach war, denn es handelt sich um die Ausgabe von letzter Woche. An einem kleinen Zeitungsstand an der Gordon-straße anerbot sich schließlich der alte Mann, bis morgen in seinem Schuppen zu Hause nach einem alten Exemplar zu suchen, aber keiner von uns glaubte daran, daß der andere die Verabredung für morgen einhalten würde, und deshalb dachte der alte Mann noch einmal genau über alles nach und zauberte dann das Gewünschte aus einem Oberschränkchen seines Standes hervor. So konnte ich stolz nach Hause gehen und den Artikel beim Sonnenbaden auf Esthis Veranda lesen – […]

Der Artikel von Wolf Biermann sprach mir ganz aus dem Herzen [die liebe Hilde ist übrigens in Hamburg geboren, genau wie Biermann und die ZEIT] – er geht vor allem davon aus, daß man in der jetzigen Situation nicht "für den Frieden" plädieren kann, ohne die Zerstörung Israels in Kauf zu nehmen und einmal mehr in diesem Jahrhundert die Juden zu opfern. [Wieso müssen die Zionisten immer "Zerstörung Israels" und "die Juden zu opfern" in einem Schnauf sagen?? – Die Antwort steht in der Frage…] Er stellt alle Heucheleien und Hypokrisien der manipulierten Reportagen bloß [kann mich jemand bitte daran erinnern, wessen Medienkrieg dieser Krieg war?] und regte mich dazu an, eine Antwort zu schreiben. Eine Art offener Brief könnte es werden.

[… es folgt ein Streit mit Esthi..] später ruft sie Doron in seinem Militärcamp an, um mich bei ihm zu verpfeifen, worauf unvermeidlich folgt: "Hilde, Doron will dich sprechen" und ich mich mit meinem Sohn in ein unangenehmes Palaver einlassen muß, für das wir beide nichts können. Anschließend ist eine Gefechtspause durch die obligatorischen Fernsehnachrichten angesagt, in denen es heißt, in Häusern mit ABC-geschützten Bunkern sollten die Leute in den Bunker gehen… und bei einer Straßenumfrage ein Mann fragt, was denn die Regierung seit zehn Jahren für die Bevölkerung getan habe.

[…]

Ach ja, übrigens, vergesst nicht, am Sonntag an die Urne zu gehen, die Schweizer unter Euch! (2011, nicht 1991)

MUTTER ZWISCHEN DEN FRONTEN

Ich habe übrigens während dieses Krieges an Wolf Biermann einen Brief geschrieben:

https://abumidian.wordpress.com/deutsch/biermann

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