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Montag, 18. Februar

Jetzt muß ich noch drei Wochen und einen Tag dableiben. Ich habe das Zigeunern wirklich gründlich satt. Jedesmal muß ich mich wieder daran gewöhnen, wo die Sachen in der Küche stehen, weil es immer eine andere Küche in einem anderen Haushalt ist.

Esthis Haushalt ist von allen der angenehmste. Bei Edith und Uri gibt es furchtbar viel Schmutz – aber sie arbeiten beide so gerne das kann man verstehen.

[…]

In bezug auf den Krieg gibt es nichts Neues. Die Amerikaner warten ab, was bei den Gesprächen zwischen Russen und Irakern in Moskau herauskommt. ["die Russen" – das war immer noch die UdSSR, in ihren letzten Zügen…"warten ab"? ja, offiziell schon, faktisch war es ihnen, was bei diesen Gesprächen herauskommt.] Im Bus-Radio hat ein kleines russisches Mädchen einem Journalisten erzählt, es habe schon viele neue hebräische Wörter gelernt: Sirene, Alarm, Entwarnung, Maske… Die Leute im Bus schauten sich an und lachten.

[…]

Bei Esthi bin ich zum Tee eingeladen und bringe mein gewohntes Arsenal an Schokoladenüssen und Mandeln mit. […] Ich sollte mich weniger als alte Mama bei ihr aufführen, dann würde ich mich auch nicht so verletzt fühlen durch ihren Jähzorn. Sie hat mich auch immer wie eine Kameradin behandelt. Aber ich will nicht als solche mit andern Freunden meiner Kinder anbändeln und sie ihnen ausspannen, wie meine Mutter dies tat.

Esthi ist gestern Nacht mit einer Freundin ausgegangen. Wir finden beide, die Nachlässigkeit, der wir alle verfallen, könnte gefährlich werden.

[eine kleine allgemeine Randbemerkung nach den ersten 33 Tagen des Tippens: Ich habe vor nicht allzu langer Zeit eine Maschine gesehen, die ganze Manuskripte automatisch scannt, Blatt um Blatt! Du schiebst einfach das ganze Manuskript rein und bekommst ein PDF! Nun muss ich aber zugeben, dass ich "Mutter zwischen den Fronten", sobald ich es fand, sofort mit Spiralen "gebunden" habe, und erst danach fand ich heraus, dass es das einzige (oder eines der einzigen) Manuskript ist, das Hilde nicht eingetippt oder –gescannt hat, wahrscheinlich weil sie einfach vorher gestorben ist, so überraschend. Jetzt muss ich also tippen.

Gestern (im Jahr 2011, wohlverstanden, nicht 1991), erhielt ich folgende mail:

hilde ist super, bring mehr davon! ihre ganze entwicklung bleibt zu nebulös wegen der vielen lücken. stell dir hamlet vor ohne mutter-dialoge. konflikte erklären bei auktorialer narration  die peripetie und nicht umgekehrt. da hast du am falschen ende gespart. hoffe, du holst das noch nach, wenn sie zurueckgefahren ist. das ganze ist ein diamant im rohzustand. ich kenne keinen roman, der mehr bieten wuerde.

Wie hat er das nur gemerkt, dass ich gerade gestern in den letzten drei […] eine der intimen Höhepunkte im Tagebuch versteckt habe?!!

Ich antwortete ihm:

danke fuer die komplimente! (sie hat mich gebeten, es dir zu sagen…)
das problem ist dreifach: ich habe nicht genug zeit zum tippen, ich will den leser nicht ermueden und es gibt dinge, da geht es um leute, die halt eben noch nicht gestorben sind wie meine mutter.

worauf er wieder:

es geht hier um ein wirklich geniales werk! (zigeunerei, klar, aber das ist wohl die voraussetzung dafuer). ich glaube, trotz zehntausender romane gibt es im 20. jhrh. wenig, was es literarisch mit der "mutter zwischen den fronten" aufnehmen könnte. da magst du vielleicht schwierigkeiten haben, weil du dich für befangen hältst, aber als kuenstler darfst du sowieso nicht zu viele hemmungen haben. du scheinst das ja fuer dich geschnallt zu haben, wozu sonst auch nur der halbe aufwand?  und wenn wir schon bei deinem privatleben sind, das hier mit der kunst kollidiert: findest du nicht, hilde haette es verdient, dass man sie als grosse kuenstlerin wahrnimmt? ich meine nicht theoretisch, sondern angesichts der tatsache, dass ihr werk tatsaechlich existiert.

und mach dir wegen des zeitaufwandes keine sorgen, das hier lohnt sich.

und ich denke all die Tage an die dieses Bild, von F.K.Waechter, das ich jahrelang ins Dorons Zimmer sah:

Schwein5a

Danke, Doron…danke, Ima…]

MUTTER ZWISCHEN DEN FRONTEN

Und wie ich schon bald vierzigmal hier schrieb: Ich konnte nicht anders und habe Wolf Bier­mann auf sei­nen Artikel in der Zeit ge­ant­wortet:

https://abumidian.wordpress.com/deutsch/biermann

//

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