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Dienstag, 5. Februar

 

[…]

Wie scheußlich, daß israelische Häuser so kalt und dunkel sind. Von Dezember bis März ist es hier in den Wohnungen unerträglich.

 

Dienstag, 5. Februar, nachts

 

Miki brachte abends "Ha'arez" mit, die einzige israelische Zeitung, die nicht ein Boulevard-Blatt ist. Ich bat mir eine Seite davon aus, konnte aber nicht gleich lesen, das Essen kam dazwischen, der Glotzkasten – aber das Schlimmste: Doron rief an und sagte, er müsse morgen doch für einen Monat einrücken. Es war mit schon wieder besser gegangen, aber jetzt fühle ich mich auf der Stelle zerschlagen und todmüde. Also sind es doch nicht Körperkräfte, das Wetter, die kalten, zugigen Wohnungen, sondern das, was sich im Kopf abspielt. Auch Miki bestätigte, viele Menschen würden sich unerträglich abgeschlagen und entkräftet fühlen. Ob zu Recht oder zu Unrecht – ich bekam sofort wieder Angst um meinen Sohn, allen Theorien zum Trotz. Später versuchte ich, Uri zu erreichen, um ihm von Doron zu erzählen, aber er ist heute mit Edith nach Rischon leZion gefahren, sagte Anita, und hat keine Adresse hinterlassen. Also wollte ich Doron noch einmal anrufen, er solle seinen Vater benachrichtigen, denn auf den war ich immer noch böse, aber als ich den Hörer abnahm, sprach David am andern Ende vom Draht. Wie von Engelshand war mir der Mund ausgewischt, ich redete sanft und lieb mit ihm, als würde ich ihn vermissen (ja, wie ist das denn…), und David war voller Verständnis – ach, ich bin froh, daß wir so miteinander gesprochen haben. Nachher machte ich mich mit frischem Mut daran, die Nachrichten zu verstehen, wobei Schai natürlich störte, aber es ist ohnehin leicht – und schwer – die spektakuläre Geschichte von "Gandi", dem neu benannten Minister zu verstehen, dem Rechtsextremen, der alle Araber von der Westbank nach Jordanien in den "Transfer" schicken will – als wären es Flugzeugpassagiere (!)

[Ja ja, das waren schöne Zeiten, als "Gandi" noch Minister ohne Portefeuille war…. "Gandi" war die kultivierte Kopie von Kahana, beide wurden schon längst von Palästinensern erschossen. Heute haben wir den Liebermann als Außenminister, der eine grausige Mischung von beiden ist.]

Das Schlimme ist, daß alle Neueinwanderer, sei es aus Afrika [sie meint Äthiopien, warum sagt sie es nicht? Ist das etwa politisch nicht korrekt, Äthiopien zu sagen? Oder meint sie auch die Marokkaner, Algerier, Tunesier dazu? Die wären aber nicht besonders "Neu-"], sei es aus Rußland [die werden – apropos pc – "aus der ehemaligen Sowjetunion" genannt, die damals gerade noch aus ihren letzten Zügen pustete], politisch extrem rechts stehen. [Au weja! Das war nicht pc!! Und es stimmt auch nicht. Aber tendentiell ists schon wahr. Deswegen hat sich Schamir ja auch so bemüht, dass ihnen die Einfahrt in die USA gesperrt wird und sie gezwungen waren, nach Israel zu kommen, mitten in Intifada und Scads und Gasmasken…] Es gibt wohl auf absehbare Zeit keine Chance daß Schamir abgelöst wird. [Es geschah 16 Monate später mit Rabins zweiter Regierung.]

[…] Ich habe Angst. Ich kann es nicht ändern: ich habe Angst um meinen Sohn.

 

Esthi wird einen Monat allein sein. Ich muß unbedingt am Wochenende wieder zu ihr fahren.

 

 

[Ganz am Rand: Es sind kaum zwanzig Jahre verflossen, aber tatsächlich gab es damals weder Handy noch Internet, und hin und wieder liest sich durch die Zeilen, wie Invalid wir dadurch waren! Wir lebten in der Steinzeit!]

 

 

 

MUTTER ZWISCHEN DEN FRONTEN

 

Ein Zeitungsartikel ueber "Desert Storm", in englisch:

http://www.huffingtonpost.com/geoffrey-wawro/desert-storm-turns-twenty_b_811926.html

 

Ich habe übrigens während dieses Krieges an Wolf Biermann einen Brief geschrieben, darin gehts u.a. auch um diesen "Gandi":

http://abumidian.wordpress.com/deutsch/biermann

 

 

 

הערה אחת
  1. heute haben wir zwar handy und internet und sogar internet am handy, sind immer und ueberall erreichbar aber steinzeitlich gesehen hat sich nicht viel geaendert

    es ist immer noch (sch)eisskalt und dunkel von dezember bis maerz, man kann erst unter die dusche nachdem man das wasser 5 minuten rumspritzen hat lassen.Muss nachher durch das eissig kalte haus rennen ins vorgewaermte zimmer um fest zu stellen dass die unterhosen am anderen ende der vereissten wohnung im korb mit der frischen waesche liegen.

    falls du deinen duschkopft aus der wohnung in tel aviv suchst, er ist anscheinend bei uns in hod hasharon gelandet.

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